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Bericht in der MZ über "Neumarkt erlebt einen Bauboom"

Überall in der Stadt entstehen Wohnbauten. Doch das Tempo, mit dem gebaut wird, kann nicht mit der Nachfrage mithalten.

Bericht in der MZ über

Wer dieser Tage durch Neumarkt fährt, dem kann es nicht verborgen bleiben: es herrscht Bauboom. An vielen Orten in der Stadt graben Bagger Löcher in die Erde, aus denen wiederum graue Betonwände emporwachsen und vor denen große Tafeln mit bunten Bildern von entstehenden Wohnungen künden, von denen eine schon bald die eigene sein könnte – wenn man sich beeilt.

Andernfalls könnte sie sonst weg sein. „Verkauft“: Das ist nicht selten zu lesen, wenn man sich auf den Homepages der diversen Bauträger durch die Bauprojekte samt Wohnungen klickt. „Wir haben einen Nachfrageüberhang“, umschreibt Immobilienwirt Willi Kirsch, als Regionalbeirat des Immobilienverbands Deutschlands auch für Neumarkt zuständig, die Lage in Neumarkt. Sprich, in Neumarkt suchen mehr Menschen nach zu kaufendem Wohnraum als vorhanden ist. Dabei bauen die Bauträger schon, was das Zeug hält.

Lange Liste an Projekten

Die sicherlich prominentesten Beispiele dafür sind das Projekt „Altstadtensemble“ in der Wolfsgasse mit 27 Wohnungen, hinter dem Architekt und Investor Theo Nutz steht, und das von der Firma Siebentritt & Donauer mit 41 Eigentumswohnungen konzipierte Projekt in der Wilhelm-Busch-Straße. Letzteres ist mit fünf Häusern auf der rechten Seite der Amberger Straße stadtauswärts gerade im Entstehen. Die Liste lässt sich problemlos verlängern.

„Es wird richtig viel gebaut“, sagt auch Stadtbaumeister Matthias Seemann. „Wir haben in den vergangenen Jahren unglaublich viele Baugenehmigungen ausgestellt.“ Er habe den Eindruck, dass die Bauträger gut ausgelastet seien. Kein Wunder, meint Willi Kirsch: „In Neumarkt besteht ein Nachholbedarf beim Wohnungsbau. Es ist in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig gebaut worden“, sagt der Immobilienwirt und belegt dies mit Zahlen: 2014 wurden 835 Wohnungen im Landkreis fertiggestellt. 1995 waren es noch 1246.

Warum Menschen nach Neumarkt ziehen

Dabei wächst Neumarkts Bevölkerung beständig. Die vielen Arbeitsplätze, die Mittellage zwischen Nürnberg und Regensburg mit einer guten Verkehrsanbindung durch Autobahnen und S-Bahn sowie die Mischung aus städtischem und ländlichem Flair lockt die Menschen nach Neumarkt und bringt die Einwohnerzahl immer näher an die 40 000er-Marke heran.

Neuankömmlinge und „echte“ Neumarkter eint dabei oftmals der Wunsch nach den eigenen vier Wänden. Die aktuelle Lage tut das Ihrige dazu: Kaum Zinsen für das Geld auf der Bank, geringe Zinsen auf Kredite, für viele Menschen scheine die Investition in Immobilien unter diesen Umständen alternativlos, sagt Willi Kirsch.

Hier entstehen derzeit Wohnungen in Neumarkt

Und so wachsen jetzt an vielen Orten im Stadtbereich Mehrfamilienhäuser in die Höhe. Meist hätten die Projekte zwischen zehn und 30 Wohnungseinheiten, sagt Kirsch. Wenn man sich in der Branche umhört, sind aber noch weit größere Projekte in der Planung. Nachverdichtung nennt sich das dann. Für den Stadtbaumeister ist dies aus städtebaulicher Sicht eine Gratwanderung. Die Flächen in der Stadt sollen möglichst gut genutzt, aber eben auch nicht übernutzt werden. „Es ist klar, dass die Bauträger versuchen, möglichst viel Rendite aus einem Grundstück rauszuholen. Unsere Aufgabe als Stadt ist es dann mitunter zu sagen: ,Ein bisschen weniger Wohneinheiten an dieser Stelle ist auch gut’.“

Es wird vor allem hochwertig gebaut

Was dann an Wohnraum entsteht, sei vor allem hochwertig, sagt Willi Kirsch. „Wir bauen exklusive Zwei-, Drei-, Vier-Zimmer-Wohnungen und nach Kundenwunsch auch größer“, sagt Hermann Siebentritt von Siebentritt & Donauer. Aufzug, Tiefgarage, barrierefreie Wohnungen für die oftmals ältere Kundschaft, das seien weitere Trends, hat Matthias Seemann beobachtet.

Das hat seinen Preis. Laut Zahlen, die Willi Kirsch für den jährlichen Immobilien-Marktbericht zusammengestellt hat, sind in Neumarkt die Kaufpreise für Wohnungen seit 2010 um rund 30 Prozent angestiegen. So zahlen Wohnungskäufer derzeit in Neumarkt durchschnittlich 3200 Euro pro Quadratmeter. Damit ist man aber immer noch deutlich günstiger unterwegs als im Vergleich zu Nürnberg (3800 Euro) und Regensburg (4300 Euro).

Für Hermann Siebentritt erklären sich die gestiegenen Preise aber nicht nur durch das aktuelle Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot, sondern auch durch die gestiegenen Baukosten in den vergangenen Jahren – und nicht zu vergessen durch die Baulandpreise. Diese seien zwar noch lange nicht so hoch wie in Nürnberg, aber man bezahle schon das doppelte als im Vergleich zu vor zehn Jahren.

Die Stadt baut auch

Aufhalten dürfte das den Bauboom dennoch nicht. Zumal nach Ansicht des Stadtbaumeisters genügend potenzielle Bauflächen im Stadtbereich vorhanden sind. „Wenn all das kommt, was die Bauträger planen, dann geht diese Entwicklung noch längere Zeit so weiter“, sagt Seemann, der selbst beziehungsweise die Stadt auch als Bauherr für Wohnbauten auftritt. Derzeit entsteht in Pölling in der Bergstraße ein Bau mit 14 Wohnungen, 27 sollen es einmal im Deininger Weg sein (wir berichteten).

„Als Stadt wollen wir kostengünstigen Wohnraum zur Verfügung stellen“, sagt Seemann. Ein Bereich, den private Investoren meist links liegen lassen. Der zu geringen Rendite wegen, wie Willi Kirsch erklärt.